Ist die Zeit für Druckvorstufen- und Produktionsteams gekommen?
Die erste Reaktion der Druckvorstufen- und Produktionsteams, wenn sie das Wort „Automatisierung“ hören, ist in der Regel Angst – Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Und das ist verständlich. Das Arbeitsumfeld in der Druckvorstufe ist schnelllebig und anspruchsvoll: Wenn das Team nicht ausgelastet ist, stimmt wahrscheinlich etwas nicht. Jede Änderung im Unternehmen oder im Workflow wirkt sich direkt auf das Druckvorstufen-Team aus.
Automatisierung bedeutet, wiederkehrende Aufgaben zu reduzieren, Berührungspunkte zu eliminieren und Prozesse zu standardisieren. Mit anderen Worten: Viele der Aufgaben, die von Produktions- und Druckvorstufenmitarbeitenden erledigt werden, verändern sich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige dies als Bedrohung auffassen, oder gar die Gefahr sehen, gänzlich von einer Software ersetzt zu werden.
Wie ist die Stimmung in der Druckvorstufe?
Produktions- und Druckvorstufenexperten haben sich ihr Fachwissen durch ihre jahrelangen Problemlösungen für unterschiedliche Herausforderungen hart erarbeitet: Sie mussten mit unzureichend vorbereiteten Dateien, schlecht geplanten Projekten, zu großen Versprechungen von Anbietern und zu wenig leistungsfähigen Tools zurechtkommen. Die Preflight-Prüfung von Druckdateien – ein wesentlicher Schritt in jedem Workflow – kann nicht einfach über Nacht erlernt werden.
Zudem müssen Checklisten und Normen eingehalten werden. Und natürlich braucht es auch diesen einen Kollegen, der jedes kleinste Detail auswendig kennt. Doch jemandem beizubringen, wie man Dateien richtig prüft, bevor man sie an die Druckmaschine schickt, erfordert sowohl technisches Wissen als auch ausreichend praktische Erfahrung.
Deshalb ist das Druckvorstufen- und Produktionsteam bestens qualifiziert, um an der Planung der Automatisierung mitzuwirken. Dennoch ist es verständlich, dass die Vorstellung, alles zu automatisieren, zunächst unmöglich oder überwältigend erscheint.
Die Lernkurve bei Automatisierungssoftware mag anfangs recht steil sein, aber sobald das Team die Tools beherrscht, wächst die Zuversicht exponentiell. Vor allem, wenn die Mitarbeiter die positiven Auswirkungen der Automatisierung für sich selbst bemerken: Sie kommen früher nach Hause, müssen sich um weniger unvorhergesehene Probleme kümmern und haben mehr Zeit für interessante Projekte. Der Stresspegel sinkt deutlich – und das ist der Moment, in dem Automatisierungssysteme ihr wahres Potenzial entfalten. Die Bediener werden von anfänglicher Skepsis zu den größten Befürwortern der Automatisierung und verlassen sich auf diese Tools, um einen reibungslosen, stabilen und effizienten Workflow zu gewährleisten.
Automatisierung ist kein Ersatz
Das Ziel der Automatisierung der Druckvorstufe sollte nicht darin bestehen, Menschen durch Software zu ersetzen, sondern vielmehr die tägliche Arbeit des Teams zu erleichtern.
Es lohnt sich die Frage: Welche Aufgaben wiederholen sich immer und immer wieder? Welche Aufgaben ist das Team einfach leid? Das Abrufen von Dateien von einem FTP-Server, das Umbenennen von Ordnern und Dateien, das Ablegen auf einem Server ... diese Aufgaben eignen sich perfekt für die Automatisierung.
Das Einstellen eines 3 mm Anschnittfeldes oder das Entfernen von Objekten außerhalb des Medienbereichs sind weitere Routineaufgaben, die kein menschliches Eingreifen erfordern. Tatsächlich sind diese nicht einmal Teil des Preflight-Prozesses – es handelt sich lediglich um kleinere Dateianpassungen.
Die meisten Techniker würden gerne den Teil überspringen, in dem sie an zehn verschiedenen Stellen suchen müssen, nur um Fragmente eines Jobs zu finden.
Investition in Automatisierung mit Sinn und Zweck
Eine effektive Investition in die Automatisierung zielt darauf ab, unnötige Berührungspunkte zu reduzieren, nicht die Anzahl der Mitarbeiter. Tatsächlich werden die Kompetenzen innerhalb des Druckvorstufen- und Produktionsteams spezialisierter und wertvoller, sobald die Monotonie der wiederkehrenden Aufgaben wegfällt.
Lassen Sie die Software die Aufgaben erledigen, die niemand erledigen will. Setzen Sie Zeit für hochwertige Arbeit frei – sei es durch das Angebot kreativer Designoptionen oder durch einen stärker personalisierten Kundenservice. Dadurch erhalten Kunden, die besondere Anforderungen haben, und Jobs, die eine zusätzliche Sorgfalt erfordern, die notwendige Aufmerksamkeit.
Die Zeit für die Druckvorstufen- und Produktionsteams ist tatsächlich gekommen. Nicht, weil sie nicht mehr benötigt werden, sondern weil sie für wertschöpfendere Dinge gebraucht werden. Automatisierung ist vielmehr der Beginn einer neuen Phase, in der das Fachwissen und die Erfahrung der eingespielten Teams wichtiger denn je sein werden.
